Interview mit zwei Omas gegen Rechts
Die „Omas gegen Rechts“ tauchen seit einiger Zeit immer wieder bei politischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen auf, sind auch auf Demonstrationen zwischen Harz und Göttingen unterwegs und haben beispielsweise das Banner für die Opfer des Nationalsozialismus an der Osteroder Marktkirche initiiert. Sie engagieren sich für die Demokratie, gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.
In den Medien waren sie jüngst vor allem durch die 551 Fragen der Union zur Förderung von NGOs an die Bundesregierung. Hier wurden auch die „Omas gegen Rechts“ und ihre Finanzierung durch
staatliche Unterstützung hinterfragt. Die Antwort der Bundesregierung allerdings war eindeutig. Die nämlich betonte die Relevanz zivilgesellschaftlichen Engagements. Der Staat lebe vom Einsatz
gegen demokratiefeindliche Phänomene, gemeinnützige Organisationen dürften politisch aktiv sein und sich auch zu tagespolitischen Phänomenen positionieren. Letztlich also Rückenwind für die Omas.
Doch selbst in Osterode und der Region gibt es immer wieder Anfeindungen, sogar Bedrohungen, berichten Ingrid M. und Brigitte M. „Es sind uns Schläge angedroht worden“, erzählen sie, „‚Ihr
widerliches Dreckspack, euch sollte man alle erschlagen.‘ Das war das Schlimmste.“ Von den meisten Menschen erfahren sie allerdings sehr viel Freundlichkeit, wenn sie mit ihnen ins Gespräch
kommen.

Diese Gespräche, die Präsenz bei Veranstaltungen sind übrigens auch der Kern der Ortsgruppe in Osterode mit ca. 40 Mitgliedern. Die Ausgaben für Flyer etc. sind überschaubar und kommen von den Mitgliedern selbst, staatliche Gelder erhalten sie hier jedenfalls keine.
Doch wer sind sie eigentlich, diese Omas gegen Rechts, die auf die Straße gehen, statt ein konservatives Bilderbuchklischee zu erfüllen? „Unser Interesse ist, dass unsere Enkel in einer Welt
leben können, die so gestrickt ist, dass jeder nach seiner Façon selig werden kann“, schlägt Ingrid den Bogen zum Namen ihrer NGO. Brigitte ergänzt dazu: „Wir wollen uns auch später nicht sagen
lassen: Euch war das alles egal, was gelaufen ist, und wir müssen jetzt drunter leiden. Das haben wir unseren Eltern vorgeworfen, diesen Vorwurf wollen wir nicht hören.“
Andererseits ist „Omas gegen Rechts“ natürlich eine Verkürzung, machen die beiden deutlich, es geht natürlich darum, gegen Rechtsextremismus zu sein. „Rechtsextrem ist für uns, wer ein Rassist
ist, ein Antisemit, jemand, der gegen die Gleichberechtigung der Frauen ist, jemand, der grundsätzlich gegen Ausländer ist“, sagen sie, auch, wer die Demokratie abschaffen oder untergraben
möchte. Sie stehen für die Menschenwürde ein, also explizit für die Gleichwertigkeit aller Menschen.

„Momentan ist Rechtsextremismus das, was uns bedroht“, begründet Brigitte, warum ihre Gruppierung sich ausgerechnet dies auf die Fahnen geschrieben hat. Natürlich lehnen sie jeden Extremismus und jegliche Gewalt ab, das versteht sich ja von selbst, doch ein Blick auf die Kriminalstatistiken zeigt nun einmal, dass gerade Taten mit rechtsextremer Motivation in den letzten Jahren erschreckend zugenommen haben.
„Wir machen das, weil wir uns Sorgen um unsere Demokratie machen“, betont Ingrid, „Wie schnell man eine Demokratie abwirtschaften kann, sehen wir gerade in den USA.“ Daher sehen sie in der
Politik der AfD eine Bedrohung für unsere freie und offene Gesellschaft, ebenso durch Reichsbürger, Querdenker und manche anderen. Und eben durchaus auch in Anfragen wie den 551 Fragen zu NGOs
aus dem eher linken Spektrum. „Wir hoffen aber, dass Herr Merz noch zur Vernunft kommt“, räumen sie ein.
Die erstgenannten Organisationen wollen ihrer Meinung nach die Mittel der Demokratie nutzen, um die Demokratie abzuschaffen. Das sei eine Parallele zu 1933 und die Auswirkungen haben einige Omas
noch sehr deutlich zu spüren bekommen. Ihr Fundament sei also in jedem Fall das Grundgesetz, das damals ja auch zum Ziel hatte, eine solche Wiederholung der Geschichte zu verhindern.
Das ausführliche Interview findet ihr hier: